Claudia Langen
Bonn / Deutschland

30 Minuten, die mein Leben auf den Kopf gestellt haben

Erstkommunion Vorbereitungsrunde im kleinen Kreis mit Pfarrer im Herbst 2007. Zum Thema Beichte sollte jeder persönlich Stellung nehmen. Doch was erzählt man, wenn man 20 Jahre lang nicht mehr beichten war? Nur ein Satz kam mir total aufgeregt über die Lippen: „Ja, das würde ich auch gerne noch mal tun!“ Mehr konnte und traute ich mich nicht zu sagen, war ich doch damals ein Mensch, der nicht viel geredet hat, geschweige ein längeres Statement hätte machen oder in der Kirche auch nur eine Fürbitte hätte vorlesen können.

Mein Satz und der Gedanke mit der Beichte gingen mir nach diesem Abend nicht mehr aus dem Kopf. Über ein Jahr lang grübelte ich, hatte immer mehr Sehnsucht nach diesem Sakrament. Und es gab da durchaus Dinge, die mir seit Langem auf dem Herzen lagen und die ich in der Beichte loswerden wollte. Doch der Mut fehlte und es sollte sich dazu keine Gelegenheit ergeben. So strickte ich mir immer wieder Ausreden zusammen, es nicht zu tun.

Doch dann fand ich tatsächlich, gut ein Jahr später, es war ein Freitagmorgen im September 2008, eine Kirche in Bonn und einen Priester, bei dem ich in einem Beichtgespräch allen Ballast der vergangenen Jahre loswerden konnte. Natürlich heimlich, ohne Jemandem irgendetwas erzählt zu haben.

Das Gefühl war gut nach der Beichte, irgendwie befreiend und erleichternd. Aber war das jetzt alles? Wurde mir doch unter anderem etwas verziehen, was ich über 20 Jahre lang mal mehr, mal weniger präsent in mir getragen hatte und mir mein Leben oft genug in bestimmten Situationen kompliziert, schwer und leidvoll gemacht hatte.

Erst abends wurde mir deutlich, was geschehen war, welch eine Veränderung in mir stattgefunden hatte. Da war auf einmal etwas in mir, was ich so noch nie erlebt hatte. Schwer in Worte zu fassen, aber es war eine Liebe, die spürbar in meinem Herzen war. Ich konnte dieses brennende und lebendige Gefühl in mir wirklich spüren und war echt überfordert. Ich war wie verwandelt, wie neu. Sogar meinem Mann fiel es auf und als ich ihm den Grund – nämlich meine Beichte - nannte, war sein Kommentar: „Dann wärst Du wohl besser schon mal vor 20 Jahren gegangen!"

An diesem Tag ist Christus in meinem Leben lebendig geworden. Nicht, dass ich vor dieser Beichte nicht irgendwie „katholisch“ gelebt hätte……. gläubiges Elternhaus, Kommunion, Firmung, habe an vielen Sonntagen die Hl. Messe besucht und hin und wieder mal ein Gebet gesprochen.

Aber ein Beziehungsleben mit Christus hatte ich weiß Gott nicht.

Das Besondere für mich war nicht der Moment der Beichte, nicht die Begegnung mit dem Priester. Nein, es war das, was CHRISTUS durch dieses Sakrament mit mir gemacht hatte; wie er durch seinen Heiligen Geist gewirkt hat, wie er mich verwandelt hat und wie er mir dadurch einen Neuanfang geschenkt hat.

Egal, ob im Auto, an der Supermarktkasse, im Wartezimmer beim Arzt; fast überall dachte ich an Christus und war mit ihm im Gespräch. Er ließ mich einfach nicht mehr los!!! Auf der einen Seite war das schön und berührend und irgendwie doch auch fremd und irritierend. Hätte nie geglaubt, dass er sich so lebendig und spürbar in meinem Leben präsent sein würde.

Kurzum, ER hat mein Leben Schritt für Schritt total auf den Kopf gestellt!  Er hat mich und meine täglichen Gewohnheiten verändert und mir Wege gezeigt, wie ich ihm noch näherkommen kann.                                              

Seitenweise könnte ich über Erlebnisse berichten, die seitdem mein Leben immer mehr bereichert und meinen Glauben gestärkt haben. 

Jeden Tag stelle ich die spannende Frage:

“Was kann und darf ich heute für dich tun Herr?“

Der Weg, den ich seit meiner Beichte gehen darf, ist nicht immer leicht. Ihn zu gehen, ist mit Herausforderungen und vielfältigem Engagement verbunden, er macht mich glücklich, froh und dankbar. Er schenkt mir Erfüllung und ist aufregend. Ich hoffe, dass ich ihn immer weiter gehen darf, über den Tod hinaus bis hin zur ewigen Gemeinschaft mit meinem Herrn und meinem Gott!

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