Lourdes
Frankreich

Die Geschehnisse in Lourdes – ein Überblick

In Ergänzung zu den persönlichen Zeugnissen auf dieser Website sollen an dieser Stelle die Geschehnisse in Lourdes in einem Überblick zusammengefasst werden.

Am 11. Februar 1858 erschien Maria, die Mutter Jesu, dem 14 jährigen Mädchen Bernadette Soubirous in einer kleinen Grotte bei Lourdes, in einer von Revolutionen und der Aufklärung als Gegenbewegung zur Kirche aufgewühlten Zeit.

Bei einer dieser Erscheinungen begann in dieser Grotte namens Massabielle eine zuvor nicht vorhandene Quelle zu fließen. Bald kam es an dieser Quelle zu ersten, medizinisch nicht erklärbaren spontanen Heilungen. Dadurch entwickelte sich Lourdes zu einem Wallfahrtsort, zu dem besonders viele Menschen mit schweren Krankheiten und Gebrechen pilgern, in der Hoffnung, das Geschenk einer Heilung erfahren zu dürfen.

Da von skeptischer Seite immer wieder der Vorwurf laut geworden war, dies wären alles lediglich Inszenierungen der Kirche, wurde eine Ärztekommission gegründet, welche diese Heilungen untersuchen soll. Bei dieser internationalen Vereinigung (A.M.I.L. – Association Medicale internationale de Notre Dame de Lourdes) ist es ausdrücklich erwünscht, dass die dort tätigen Ärzte und Wissenschaftler keiner Glaubensgemeinschaft angehören, um keinen Ansatzpunkt für eine Kritik wegen fehlender Objektivität bieten zu können[1].

[1] https://www.amilourdes.com/

 

Image: Bild zum Eintrag: Die Geschehnisse in Lourdes – ein Überblick

 

In der Zwischenzeit wurden bereits über 7.400 Heilungen an die A.M.I.L. gemeldet[2] und von dieser überprüft. Rund 2.500 Heilungen wurden dabei als „extramedikal“ eingestuft. Das bedeutet, dass sie naturwissenschaftlich in keiner Weise erklärbar sind. Solche Heilungen müssen medizinisch zweifelsfrei dokumentiert sein, spontan geschehen (also keine länger dauernden Heilungs- oder Rückbildungsprozesse darstellen), vollständig und andauernd sein. Dazu gehören beispielsweise Knochenbrüche, die augenblicklich verheilt sind, vollständige und unmittelbare Heilung von Multipler Sklerose, irreversibler Lähmungen oder bösartiger Tumore, die sich plötzlich komplett zurückgebildet hatten. Von diesen unerklärlichen Heilungen wurden von der Kirche 70 nach langwierigen und aufwändigen Prüfverfahren als „Wunder“ bezeichnet[3],[4].

Diese geringe Zahl an kirchlich anerkannten Wundern lässt sich gut erklären: Wenn Menschen nach Lourdes fahren, um von Gott über die Fürsprache Mariens Heilung zu erbitten, tun sie das nicht, um für den Fall einer tatsächlichen Heilung als Beweismittel und Anschauungsobjekt zu dienen. Erfahren sie die Gnade der Heilung, müssen sie, damit dies auf offizieller Ebene überhaupt registriert wird, bereit sein, sich aufwändigen Untersuchungen und mehrstufigen Prüfprozessen bei der A.M.I.L. zu stellen, die sich oft über viele Jahre erstrecken. Sie müssen auch bereit sein, sich öffentlich zu exponieren. Es müssen lückenlose Krankenakte vorgelegt werden, aus denen der Umstand einer medizinisch nicht erklärbaren Heilung unzweifelhaft hervorgeht. Das sind Rahmenbedingungen, welche viele Menschen nicht bereit oder gar nicht in der Lage sind, zu erfüllen. Wer z.B. als schwerkranke Person eine Fahrt nach Lourdes gebucht hat und geheilt wurde, müsste Rückfahrt / Rückflug für sich und die begleitende Person stornieren, einen verlängerten Aufenthalt in Lourdes für die erforderlichen Untersuchungen buchen und finanzieren, sowie zusätzlich die Bereitschaft, die Zeit und die Finanzmittel haben, um auch in den Folgejahren immer wieder nach Lourdes zu reisen, damit in weiteren Untersuchungen Rückfälle ausgeschlossen werden können. Dazu kommt: wer aus Ländern stammt, die nicht den westeuropäischen medizinischen Standard haben, wird nicht immer über so hochwertige und vor allem lückenlose medizinische Befunde, einschließlich Ergebnisse aus  MRT und CT Untersuchungen verfügen, damit die A.M.I.L. jegliche normal erklärbare Heilung oder irgendwelche, auch unterschwellige, medizinische Mithilfe an der Heilung, mit absoluter Sicherheit ausschließen kann. Verschärft wird dieser Prüfprozess, wenn auch die Kirche diese Heilungen als Wunder anerkennen soll.

Die Kirche muss vorsichtig sein, wenn es darum geht, Wunder zu bestätigen, weil ihre Glaubwürdigkeit am Spiel steht. So wurde z.B. eine von einem Nobelpreisträger der Medizin, Prof. Alexis Carell, bestätigte Spontanheilung einer tuberkulösen Bauchfellentzündung im Endstadium kirchlich nicht als Wunder anerkannt. Das, obwohl Carell die betroffene Frau (Marie Bailly) am Tag der Heilung untersucht hatte und davon ausgegangen war, dass diese Frau diesen Tag nicht mehr überleben würde; er stand bei der Heilung neben ihr und wurde unmittelbarer Zeuge dieses Geschehens. Anschließend untersuchte er die plötzlich gesunde Frau gemeinsam mit anderen Ärzten. An ihrer naturwissenschaftlich nicht erklärbaren Heilung konnte nicht der geringste Zweifel bestehen. Einige Jahre später wurde aber diese Heilung nicht als Wunder anerkannt, weil bei den Untersuchungen nicht sämtliche, theoretisch denkbaren, anderen Erkrankungen des Unterleibes geprüft und ausgeschlossen worden waren[5].

Es ist daher verständlich, dass es zusätzlich zu den 7.400 überprüften Heilungen noch eine Vielzahl nicht gemeldeter Heilungen gibt. Man geht von rund 30.000 Heilungen seit dem Zeitpunkt der Erscheinungen aus. Bei vielen davon gab es keine Möglichkeit, sie zeitintensiv überprüfen zu lassen und bei vielen anderen konnte den Formalanforderungen betreffend die Lückenlosigkeit der ärztlichen Befunde nicht in der erforderlichen Weise entsprochen werden. Das relativiert nicht die Tatsache, dass diese Menschen geheilt worden sind, sondern ist eine Frage des Nachweises, der nicht in der erforderlichen Schärfe erbracht werden kann. Von unzähligen anderen Menschen wurde das Geschenk der Heilung als "persönliches Geschenk des Himmels" empfunden, das sie nicht mit der Öffentlichkeit und irgendwelchen Organisationen teilen wollten.

[2]  Archiv von Lourdes: http://web.archive.org/web/20160314081810/http://de.lourdes-france.org/vertiefen/heilungen-und-wunder/die-geheilten-von-lourdes

[3] https://www.vaticannews.va/fr/eglise/news/2019-01/bernadette-moriau-miracle-lourdes-temoignage.html

[4] Resch Andreas, Institut für Grenzgebiete der Wissenschaft, Innsbruck, https://www.imagomundi.biz/wunder-von-lourdes/

[5] Jaki Stanley: Two Lourdes Miracles and a Nobel Laureate: What Really Happened? in: https://epublications.marquette.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=2206&context=lnq

 

Die letzte als Wunder anerkannte Heilung betrifft Frau Bernadette Moriau[6]. Nach ihrer Spontanheilung  im Jahr 2008 gab es bis zum Jahr 2016 drei komplette Untersuchungszyklen, an denen eine große Anzahl an immer neuen Wissenschaftlern mitwirkte. Dabei wurden sowohl ihre psychische Verfasstheit, als auch sämtliche Fakten und Heilungshypothesen jeweils von vorne neu überprüft und zusätzliche Untersuchungen angeordneten.

Frau Moriau hatte eine 40-jährige Tortur hinter sich: Seit dem Jahr 1968 musste sie zahlreiche Wirbelsäulenoperationen über sich ergehen lassen, hatte multiple chronische Nervenentzündungen und konnte seit 1969 nur mehr mit Stützkorsett unter größten Schmerzen leben; bewegen konnte sie sich nur mehr mit Hilfe implantierter Neurostimulatoren. Ihre Muskeln waren durch ihr jahrzehntelanges Gefesseltsein an den Rollstuhl weitgehend degeneriert und in ihrer Funktion geschädigt. Seit 1994 erhielt sie regelmäßig Morphium. Ihre Knochen waren höchstgradig osteoporös und hatten sich im Laufe der langen Krankheit und des Fehlens körperlicher Betätigung sowie der einseitigen Belastungen stark deformiert. Ab dem Jahr 2005 begannen Lähmungserscheinungen.

Ihre Krankenakte waren überaus umfangreich und boten dadurch eine lückenlose Beurteilung ihres langwierigen und schweren Krankheitsverlaufes und der erfolglosen medizinischen Behandlungen.  Am Ende dieser drei Untersuchungszyklen hatten insgesamt 270 Mediziner, Psychologen und Therapeuten aus aller Welt an den Untersuchungen und Überprüfungen der medizinischen Unterlagen und der Heilung teilgenommen. Diese vielen Spezialisten bestätigten, dass es sich auch im Fall von Frau Moriau um eine naturwissenschaftlich in keiner Weise erklärbare Spontanheilung ihres seit vielen Jahren bestehenden multiplen Leidens und der dadurch ausgelösten Invalidität gehandelt hatte.

Man soll sich einmal vergegenwärtigen, welchem Untersuchungsmarathon Frau Moriau bereit war, sich zu unterziehen, ehe ihre medizinisch und naturwissenschaftlich unerklärbare Heilung als Wunder anerkannt wurde. Dass nicht mehr als 70 der rund 2500 als extramedikal eingestuften Heilungen in Lourdes als Wunder gelten, sollte nun nicht überraschen. Diese Schilderung betrifft nun lediglich Lourdes und berücksichtigt nicht die zahllosen Heilungen, die aus anderen Orten der Marienerscheinungen, insbesondere in Kibeho (Ruanda) und Medjugorje (Bosnien–Herzegowina) bekannt sind.

[6] Moriau  Bernadette: My life is a miracle – a testimony to the most recent officially recognized miracle at Lourdes, 2021

Fotos - Quellen: https://www.kathpedia.com/index.php/Lourdes und https://www.lepelerin.com/religions-et-spiritualites/les-grandes-figures-de-leglise/soeur-bernadette-moriau-70e-miraculee-de-lourdes-4606

Image: Bild zum Eintrag: Die Geschehnisse in Lourdes – ein Überblick

Natürlich wurde das Quellwasser nach allen Möglichkeiten der Wissenschaft untersucht, es war aber erwartbar, dass nicht der geringste Beleg für irgendeine Heilwirksamkeit gefunden werden konnte. Das wäre eine Sensation gewesen, hätte man eine Heilwirkung für die unterschiedlichsten Krankheiten und Gebrechen identifizieren können, irgendetwas, das gleichermaßen bei Tuberkulose, Krebs, zertrümmerten Knochen und Multiple Sklerose, jeweils im Endstadium, zu einer plötlichen, unmittelbaren und endgültigen Heilung führen würde.

Entscheidend ist jedoch, dass die Geschehnisse in Lourdes nicht durch irgendein heilwirksames Quellwasser ausgelöst werden, sondern ausschließlich im religiösen Zusammenhang passieren und einen gewichtigen Hintergrund haben. Im Zentrum des Geschehens sollen ja nicht die Heilungen stehen, sondern der Umstand der Erscheinungen Mariens. Sie hat die Menschen in einer Zeit der Revolutionen und der „Aufklärung“ aufgerufen, sich entgegen dem Zeitgeist wiederum zu Gott hinzuwenden und dabei auch dringend auf die Notwendigkeit des Betens hingewiesen. Insbesondere soll stellvertretend für jene Menschen gebetet werden, die Gott noch nicht kennen, damit auch sie ihn finden können. Es wäre auch die Annahme und Erwiderung der Liebe Gottes wesentlich wichtiger, als ein Glaubenswissen ohne Konsequenzen. Ihre Botsschaft hat heute an Gültigkeit und Dringlichkeit nichts verloren. 

Für unsere Begegnung mit Gott wird es eines Tages nicht entscheidend sein, ob wir körperlich unversehrt sind und auf ein erfolgreiches Leben zurückschauen können, sondern ob wir an der Seele heil sind. Das werden wir, wenn wir unser Leben an der Botschaft Jesu ausrichten. Dass Maria nicht nur in Lourdes Menschen erscheinen darf und immer wieder klare Hinweise auf den einzuschlagenden Glaubensweg gibt, dürfen wir so verstehen, dass es Gott Maria ermöglicht hat, uns Menschen entsprechende Hilfestellungen zu geben. Die wiederholt erkennbaren Wunder sind Zeichen ihrer Vollmacht, die sie von Gott erhalten hat. Immerhin weiß sie als Mutter Jesu am ehesten, was er für unser Leben vor Gott als wichtig bezeichnet hat.

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