Traude Schröttner
Traude Schröttner
Graz / Österreich

Gott füllte mir meine leeren Hände immer wieder zur Hilfe für Menschen in Rwanda

Vor vielen Jahren hatte ich eine Begegnung mit einer Frau namens Dr. Christa Kübler, die von ihren Erfahrungen als Missionarin in Mexiko berichtet hatte. Das hatte mich damals tief beeindruckt. Ich bekam eine große Sehnsucht, selber anderen Menschen in ihren schwierigen Lebensbedingungen zu helfen und ihnen vom liebenden Gott zu erzählen. Bis es aber so weit war, dauerte es noch viele Jahre. In unserer Pfarre in Graz wurde durch Frau Kübler ein Arbeitskreis „Weltkirche“ gegründet, mit dem Ziel die Mission zu unterstützen. Die Unterstützung bezog sich aber nicht nur auf materielle Güter und Spenden, es war uns sehr wichtig, für die vielen Anliegen der Mission auch zu beten.

Der erste Priester, der von unserer Gemeinschaft unterstützt wurde, war Pater Ubald aus Rwanda. Ihm hatten wir die Priesterausbildung finanziert. Zu Pater Ubald, der ein von Gott ganz gesegneter Mann ist, soll noch ein eigenes Zeugnis abgegeben werden (Weitlaner Jakob). Seit 1984 gibt es auch eine Partnerschaft zwischen der Pfarre Nyamasheke von Pater Ubald und unserer Pfarre Karlau in Graz. Diese Partnerschaft weitete sich bald auf die ganze Diözese Cyangugu unter Bischof Damascène aus. Ich muss dazu noch erklären, dass im Genozid im Jahr 1994 die gesamte Großfamilie von Pater Ubald getötet wurde, insgesamt 84 Personen. Er selber war von Rwanda nach Graz in unsere Partnerpfarre geflüchtet, wo ich für ihn die Rolle als als „Mutter“ übernommen hatte. Sein Schicksal und das seiner Heimat war mir daher immer ein ganz großes Anliegen.

Als ich nach dem Genozid im Jahr 2003 Rwanda besuchte, erlebte ich ein bitterarmes Land, in dem der Bürgerkrieg Spuren der Verwüstung sowie grausame seelische und körperliche Verletzungen hinterlassen hatte. Wir waren mit Pater Ubald und dessen Bischof Damascène unterwegs, und dieser zeigte uns eine Pfarre mit rund 15.000 Einwohnern, die keinen Pfarrhof und dadurch auch keinen Priester hatte. Die Bevölkerung hatte zwar versucht, ein kleines Haus für einen Priester zu bauen, hatte aber überhaupt kein Geld und Material mehr, um dieses fertig zu stellen. Auf die Frage, was die Fertigstellung kosten würde, wurde mir eine Summe von 17.000.- Euro genannt. Diese Antwort löste in mir einen inneren Kampf aus. Ich war vom Beruf Lohnbuchhalterin, war vor einem Monat in Pension gegangen und hatte eine Abfindung bekommen. Ich beschloss, dieses Geld nicht für mich zu behalten, sondern dieser armen Pfarrgemeinde zu geben.

Einige Tage nach meiner Rückkehr nach Österreich konnte ich in einer Radiosendung über die Situation in Rwanda berichten und ich erzählte auch von dem halbfertigen Pfarrhaus. Mehr im Scherz sagte ich dabei, dass dieses Haus fertiggestellt werden könnte, wenn 17.000 Personen jetzt zuhören und jeder von ihnen einen Euro spenden würde.

Kurz darauf wurde ich von einer Frau Ostermair aus Deutschland angerufen, die mir sagte, dass sie diese 17.000.- Euro zahlen würde. Auf meine äußerst überraschte Frage, warum sie dies machen wolle, erzählte sie, dass ihre Familie von einem großen Unglück bewahrt wurde. Sie wollte sich auf diese Weise bei Gott bedanken. Frau Ostermair ist selber aber nicht wohlhabend. Sie ist eine Bäuerin und hat 8 Kinder. Ihr Mann hatte nach einem schweren Unfall von der Versicherung 17.000.- Euro bekommen, genau die Summe, die benötigt wurde und daher haben sie dieses Geld gespendet.

Zwei Jahre später hatte ich ein ähnliches Erlebnis: In Gisagura, einem Ort, an dem die Versöhnungsbereitschaft der Bevölkerung aus dem Glauben stark spürbar war, hatte die Bevölkerung versucht, aus Eigenmitteln eine große Kirche zu bauen. In ihrer Armut hatten sie aber weder das Geld noch die nötigen Materialien, um diese Kirche fertig zu stellen. Ich beschloss, ihnen 15.000.- Euro aus meinen Ersparnissen zu geben. Kurz darauf entschloss sich ein Italiener, der mit uns mitgereist war, die Fertigstellung der Kirche zu finanzieren. Ich lernte daraus, dass Gott nicht mein Geld verwenden möchte,  sondern dass er meine Bereitschaft haben will, die Projekte, die an mich herangetragen werden, zu unterstützen. Ich hatte nun die innere Sicherheit, dass ich zukünftig keine Bitte um Hilfe in Rwanda ablehnen sollte, weil Gott mir helfen würde, die dafür notwendigen Geldmittel aufzutreiben. So war es auch tatsächlich.

Ich bin beinahe jedes Jahr in Rwanda, wobei mir Pater Ubald und Bischof Damascène jedes Mal verschiedene dringend notwendige Projekte zeigten, die wegen fehlendem Geld und Material nicht realisiert werden konnten. Ich reagierte immer auf die gleiche Weise, indem ich versprach, mich um dieses Anliegen zu kümmern. Ich fügte aber immer hinzu, dass ich selber nicht die notwendigen Mittel dafür hätte und auch nicht wüsste, woher ich dafür das nötige Geld bekommen sollte. Wenn diese Projekte den Menschen in den Pfarren ein echtes Anliegen sind, dann sollen sie alle Maria um ihre Fürsprache bei Gott bitten, damit alles Notwendige erfüllt werden kann. Erstaunlich war nun, dass immer wieder, oft im letzten Moment, die notwendigen und oft sehr hohen Geldmittel oder Sachspenden eintrafen, sodass all die oft unglaublichen Projekte, um die ich gebeten wurde, gebaut werden konnten. Auch die Zahl der Menschen, die mich bei dieser Aufgabe unterstützen, wuchs in wunderbarer Weise. Dadurch konnten alleine in der Zeit zwischen 2003 und 2021

  • 24 zum Teil sehr große Kirchen gebaut werden,
Image: Bild zum Eintrag: Gott füllte mir meine leeren Hände immer wieder zur Hilfe für Menschen in Rwanda
  • ein großes Zentrum für Friede und Versöhnung errichtet werden,
  • 4 Schulen wurden errichtet sowie 5 Lehrwerkstätten für Schneiderei, Schlosserei, Schweißerei, Tischlerei und für die Maurerlehre.
  • Wir finanzieren auf Dauer eine Schulküche, in der täglich 760 Kinder eine warme Mahlzeit bekommen.
  • Wir konnten den Bau und den Betrieb eines großen Kindergartens und eines eigenen Zentrums für die Betreuung behinderter Kinder finanzieren.
Image: Bild zum Eintrag: Gott füllte mir meine leeren Hände immer wieder zur Hilfe für Menschen in Rwanda
  • Für die unzähligen Witwen und Waisenkinder, die nach dem Genozid unter erbärmlichen Verhältnissen leben müssen, wurde die Errichtung von weit über 760 kleinen Häusern finanziert. Die Vergabe dieser Häuser erfolgte z.B. in der Weise, dass Witwen mit ihren Kindern dann solch ein Häuschen mit einem kleinen Garten bekamen, wenn sie bereit waren, zusätzlich heimatlose Vollwaisen bei sich aufzunehmen.
Image: Bild zum Eintrag: Gott füllte mir meine leeren Hände immer wieder zur Hilfe für Menschen in Rwanda
  • Zusätzlich konnten wir immer wieder sehr große Mengen an Sachspenden verteilen, um den Menschen eine Verdienstquelle zu bieten, wie z.B. Nähmaschinen, Elektrowerkzeuge, Fahrräder, Computer, Ziegen für die Witwen, und vieles andere mehr. Es wurden auch viele Patenschaften vermittelt, bei denen die europäischen Paten eine rund fünfjährige Schulausbildung für arme Kinder bezahlten und vieles mehr.

Dieses ganze Bemühen, das auch in den nächsten Jahren fortgesetzt wird, wurde und wird von vielen Menschen im Gebet mitgetragen. Wir durften dabei eine Fülle an ganz unglaublichen Fügungen erleben. Unwahrscheinliche Ereignisse griffen oft nahtlos ineinander und führten genau zu den Ergebnissen, um die gebetet worden war. Einige Beispiele solcher Fügungen sollen in einem weiteren Zeugnis beschrieben werden.

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