Die Ursünde und die Notwendigkeit der Erlösung der Menschheit

7.

Gott hat nicht nur das für uns erkennbare Universum geschaffen, sondern auch Geistwesen, die anders als wir Menschen schon von Anbeginn der Zeiten bei Gott sein durften. Wir nennen sie Engel.

Da Gott die vollkommene Liebe ist, hat er nicht nur dem Universum und uns Menschen als Teil der Schöpfung Freiheit geschenkt, sondern auch den Engeln. Diese Geistwesen, die nicht der menschlichen und materiebezogenen Begrenztheit unterliegen, wussten und wissen um diese Freiheit.

Vollkommene Freiheit bedeutet, von Gott aus Liebe in keiner Weise eingeengt zu werden. Diese Freiheit beinhaltet dadurch die Möglichkeit, diese von Gott geschenkte Liebe dem Allmächtigen wiederum zurückgeben zu können. Sie beinhaltet aber auch die Möglichkeit, diese Liebe aus freien Stücken nicht zu erwidern. Der Engel Luzifer hat sich diese Freiheit herausgenommen, diese geschenkte Liebe Gott nicht zurückzugeben und ihm zu dienen, sondern eigenständige und von Gott unterschiedliche Wege zu suchen. Das war ein Schritt, der ihm Macht verliehen hatte. Dadurch wurde Luzifer zum Satan, der sich von Gott unumkehrbar abgewendet hatte. Da Gott selbst die unabänderliche Liebe und Treue ist, wird er niemals das von ihm aus Liebe gewährte Geschenk der Freiheit einschränken oder zurücknehmen, auch nicht gegenüber Luzifer. Das wusste Luzifer. Er hatte dadurch „Narrenfreiheit“. Somit ist die unabänderliche Liebe und Treue Gottes der Grund, warum Gott trotz seiner Allmacht Satan nicht in seiner Macht begrenzt. Diese vollkommene Liebe begrenzt für Gott die Möglichkeiten seiner Allmacht.

Aber so, wie Gott einen Rahmen gesetzt hat, innerhalb dessen sich die Schöpfung und der Mensch in Freiheit entwickeln konnten, kann auch Satan diese Freiheit nur innerhalb des Rahmens missbrauchen, den Gott aus seiner Allmacht heraus den Engeln gegeben hat.

8.

Luzifer wusste um die Entwicklung der Welt und dass wir Menschen aus dieser Entwicklung entstehen würden. Er wusste auch, dass Gott uns seine Liebe schenken möchte. Er wusste, dass wir Menschen ebenfalls in Freiheit geboren würden. Wir Menschen haben dadurch dieselben Möglichkeiten wie er, uns entweder für Gott oder gegen Gott, somit für Luzifer, entscheiden zu können.

Diese unsere menschliche Entscheidungsmöglichkeit kann durch Luzifer manipuliert werden. Während sich Gott durch seine Liebe selber gebunden und seine Allmacht der Liebe untergeordnet hat, ist Luzifer durch nichts gebunden. Gott schränkt durch seine Liebe niemanden in dessen Freiheit ein, auch nicht Luzifer. Luzifer kann deswegen seine Freiheit missbrauchen. Ein zentraler Missbrauch der Freiheit besteht darin, in die Freiheit von uns Menschen einzudringen, unsere menschliche Freiheit nicht zu achten, so wie es Gott tut. Luzifer entfaltet eine unglaubliche suggestive Macht in Richtung des Bösen, hin zu Egoismus, Lieblosigkeit, Machtmissbrauch, Ungerechtigkeit, Gewalt und Hass. Gott hingegen entfaltet nicht ungefragt seine liebende Gegenmacht. Damit er in unserem Leben wirken kann, braucht er unsere Zustimmung, weil sein Wirken und die Umsetzung seiner Vorsehung ohne unsere Zustimmung ein willkürlicher Eingriff in unsere Freiheit wäre. So etwas tut Gott nicht, so etwas tut nur Luzifer.

9.

Gott wusste wie es weitergehen wird.

Er wusste, dass Luzifer seine Freiheit gebrauchen würde, um uns Menschen zu manipulieren mit dem Ziel, uns dadurch der Liebe Gottes zu entziehen und an ihn selber, Satan, zu binden. Wir Menschen hätten dadurch niemals etwas von Gott und dessen Liebesangebot an uns erfahren. Wir hätten uns nicht entscheiden können: nicht für Gott, aber auch nicht gegen Gott. Wir wären unter Satan unserer Entscheidungsfreiheit beraubt worden. Durch dieses Fehlen jeglicher Freiheit, uns für oder gegen die Liebe Gottes entscheiden zu können, wurde der Himmel für uns Menschen verschlossen.

Gott hatte uns Menschen aber mit dem Ziel erschaffen, dass wir als liebesfähige Wesen seiner Liebe entgegengehen dürfen. Um die von ihm gewährte Freiheit weder gegenüber Satan noch gegenüber den Menschen zu verletzen, hatte Gott offenbar nur eine einzige, unfassbare Möglichkeit, die Manipulationen Satans gegenüber uns Menschen zu beenden. Diese Möglichkeit bestand im Mysterium Christi.

Jemand musste uns Menschen Kunde von Gott bringen. Gott konnte sich uns Menschen nicht selber in all seiner Macht offenbaren, weil er sonst unsere Freiheit verletzt hätte. Gott musste daher seinen Sohn Mensch werden lassen, er musste sich erniedrigen in alle Facetten des Menschlichen. Erst dadurch wurde es möglich, ohne Manipulation der Freiheit allen Menschen Kunde von der Liebe des Vaters zu bringen. Das Erlösungswerk bestand also darin, dass Gott auf seine Allmacht verzichtete und sich durch Jesus Christus ins Menschsein erniedrigt hat. Dadurch konnten wir Kenntnis von ihm erhalten, Kenntnis davon, dass er unser himmlische Vater ist. Auf diese Weise wurde die Möglichkeit wieder hergestellt, sich für oder gegen Gott entscheiden zu können – eine Möglichkeit, die Satan verhindern wollte.

Hätte sich Gott uns in seiner Allmacht und Größe unmittelbar und für alle Menschen erkennbar, direkt ohne den „Umweg“ über Jesus als Mensch, gezeigt, hätte er unsere Entscheidungsmöglichkeit ebenso manipuliert wie Satan, nur eben in die andere Richtung. Wir Menschen hätten auch dann keine Wahlmöglichkeit mehr gehabt. Wir hätten uns nach Erkennen der Macht Gottes niemals mehr gegen ihn entscheiden können. Gott wollte aber, dass wir in unseren Entscheidungen ihm gegenüber frei sind.

10.

Als sich Satan in seiner Missachtung der Größe und Liebe Gottes von Gott unumkehrbar entfernt hatte, konnte sich die ursprünglich seinem Wesen innewohnende Liebe nur mehr in Hass umwandeln. Weil Satan Gott hasst, hatte er auch Jesus mit nicht zu überbietendem Hass bis zu dessen Tod verfolgt.

Jesus musste den Kreuzestod erleiden. Diese Hinrichtung war eine nicht zu überbietende Lieblosigkeit. Sie war eine an Grausamkeit unüberbietbare Zerstörung nicht nur eines Menschenlebens, sondern sogar Gottes Sohn. Der Gott der Liebe und des Erbarmens hat sich in einem für uns nicht vorstellbaren Liebesakt in das Menschsein erniedrigt, so schaut göttliche Liebe aus. Zu seinem Freiheitsversprechen zu stehen, selbst wenn der eigene Sohn deswegen getötet wird, so schaut göttliche Treue aus. Der durch Menschen vollzogene Plan der absoluten Grausamkeit sieht nach Rache Satans aus, der immer noch in seiner Freiheit von Gott unbehelligt ist.

Am Kreuz erlebte Jesus eine abgrundtiefe Verzweiflung und er fühlte sich von seinem himmlischen Vater verlassen. In diesem Moment der allergrößten Pein und Angst mag es in seiner menschlichen Begrenztheit gewesen sein, dass ihm die Konsequenz der Liebe des Vaters nicht bewusst war, eine Liebe und Treue, die sogar gegenüber Satan das gegebene Versprechen der Freiheit nicht gebrochen hat. Gott hat aber auch aus Liebe zu uns Menschen Satan, selbst im Angesicht des Todes seines Sohnes, nicht entmachtet, weil er gewusst hat, dass er mit der Entmachtung Satans gleichzeitig auch die Entscheidungsfreiheit der Menschen zunichte gemacht hätte. So weit geht die Liebe und Treue des himmlischen Vaters zu uns Menschen.

Die Ursünde und das Böse auf der Welt stammen von Satan, der im Missbrauch seiner Freiheit ständig versucht, uns Menschen von Gott fernzuhalten. Er versuchte zu verhindern, dass wir vom Willen des Vaters erfahren können und Gott gehorchend sein Reich des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit bereits auf Erden umsetzen. Sein Plan scheiterte durch die Menschwerdung Christi. Weil Jesus dem Willen des Vaters bis in den Tod gehorsam war, hat er uns erlöst. Da wir durch ihn nun Kenntnis von unserem liebenden Vater erhalten haben, wurde uns von Jesus der Himmel geöffnet und der Weg dorthin gezeigt.

Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus auch ein Sühneopfer vollbracht. Er hat die durch Satan ausgelöste Schuld jener Menschen auf sich genommen, die vor Christus gelebt hatten, und denen bis zum Zeitpunkt der Menschwerdung Christi der Zugang zum Himmel verschlossen war. Wir dürfen annehmen, dass dieses Sühneopfer auch für jene Menschen gilt, die ohne eigenes Verschulden niemals etwas vom Liebesangebot des Vaters erfahren haben, sodass sie sich in ihrem Leben nicht danach orientieren konnten. Gott ist der Gerechte und das ist ein Geschenk seiner Gerechtigkeit.

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